Unsere Gemeinde unterhält seit einigen Jahren eine Partnerschaft mit der Mara Evangelical Church in Myanmar.
Der Leiter der MEC, Si Khaw, der uns in vergangenen Jahren auch schon besucht hat, hat einen Lagebericht für uns zusammengestellt, den Kurt Herrera, ELM Hermannsburg, dankenswerterweise übersetzt hat:
Aktueller Lagebericht zu Myanmar, dem Chin-Staat und der Mara-Gemeinschaft
Datum: 16. Juni 2026
1. Aktueller Lagebericht zu Myanmar
Im Zuge der COVID-19-Pandemie hat Myanmar seit 2021 erhebliche politische und gesellschaftliche Veränderungen durchlaufen, die sich weiterhin auf das Familienleben, das Wohlergehen der Gemeinschaften und die nationale Entwicklung auswirken. Die wirtschaftliche Lage ist nach wie vor instabil, und viele Haushalte haben Schwierigkeiten, ihre grundlegenden täglichen Bedürfnisse zu decken.
Die Lebenshaltungskosten sind erheblich gestiegen, während die Einkommensmöglichkeiten weiterhin begrenzt sind. So beträgt beispielsweise der offizielle Tageslohn eines Arbeiters etwa 7.800 MMK (ca. 1,80 USD), was nicht ausreicht, um eine durchschnittliche Familie zu versorgen. Infolgedessen sind Armut, Ernährungsunsicherheit und wirtschaftliche Not landesweit zu großen Problemen geworden, wobei kaum Anzeichen für eine nennenswerte wirtschaftliche Erholung zu erkennen sind.
In verschiedenen Teilen Myanmars, insbesondere in ethnischen Gebieten und Teilen Zentralmyanmars, dauern bewaffnete Konflikte an. Trotz anhaltender Friedensforderungen ist bislang kein umfassender Waffenstillstand zustande gekommen. Die Zahl der Binnenvertriebenen ist nach wie vor hoch, und viele Gemeinden sind weiterhin mit Unsicherheit und Instabilität konfrontiert.
Der Zugang zu Bildung und Gesundheitsversorgung ist in den von Konflikten betroffenen Gebieten stark beeinträchtigt. Viele Schulen und öffentliche Einrichtungen haben ihren Betrieb eingestellt, während die Gesundheitsversorgung für schutzbedürftige Bevölkerungsgruppen nach wie vor eingeschränkt oder unzugänglich ist.
Seit März 2026 wurden die Parlamentssitzungen unter der neu gebildeten Regierung wieder aufgenommen, die sich zur Wiederherstellung von Frieden, Stabilität und öffentlichen Dienstleistungen verpflichtet hat. Die Regierung hat die Bereitstellung kostenloser Schulbücher und Schuluniformen für Schüler staatlicher Schulen angekündigt und vertriebene Schüler dazu eingeladen, Einstufungsprüfungen abzulegen, damit sie ihre Ausbildung an noch funktionierenden Schulen fortsetzen können. Dennoch dauern bewaffnete Auseinandersetzungen und Luftangriffe in einigen Regionen an.
Auf internationaler Ebene haben Nachbarländer wie Indien und China diplomatische Kontakte zur neuen Regierung aufgenommen, unter anderem im Rahmen offizieller Besuche des neu gewählten Präsidenten.
Die Umsetzung des Wehrpflichtgesetzes sowie die Rekrutierungsbemühungen verschiedener bewaffneter Gruppen haben zu einer erheblichen Abwanderung junger Menschen beigetragen, die im Ausland Sicherheit und Chancen suchen. Ein größerer Anteil der Männer ist ausgewandert, während viele Frauen im Land verbleiben, was zu demografischen und sozialen Herausforderungen innerhalb der Gemeinschaften führt.
Vor diesem Hintergrund haben die Kirchen in Myanmar aufgrund der tiefen politischen Polarisierung und unterschiedlicher Sichtweisen Schwierigkeiten, sich öffentlich einheitlich für Frieden und Versöhnung einzusetzen. Dennoch dienen die Kirchen weiterhin als Quellen der Hoffnung, des Mitgefühls und der gemeinschaftlichen Unterstützung. Das Gebet bleibt eine der wichtigsten spirituellen Antworten, während christliche Gemeinschaften Gottes Führung, Frieden und Heilung für die Nation erbitten.
Die größten Herausforderungen für Myanmar
2. Lage im Chin-Staat
Der Chin-Staat gehört nach wie vor zu den Regionen, die am stärksten von Konflikten, geografischer Isolation und einer unzureichenden Infrastruktur betroffen sind.
Größte Herausforderungen
Das Engagement der Gemeinschaft
Trotz dieser Herausforderungen spielen lokale Kirchen, gemeindebasierte Organisationen, Chin-Gemeinschaften im Ausland und Freiwillige weiterhin eine entscheidende Rolle, indem sie:
3. Lage der Mara-Gemeinschaft
Die Mara-Gemeinschaft, die vorwiegend im südlichen Chin-Staat und den angrenzenden Gebieten lebt, sieht sich weiterhin mit erheblichen Herausforderungen konfrontiert, die sich aus der allgemeinen nationalen Krise ergeben.
Zentrale Herausforderungen
Gleichzeitig beweist die Mara-Gemeinschaft weiterhin Widerstandsfähigkeit durch starken Glauben, gemeinschaftliche Solidarität und die Bereitschaft, sich in schwierigen Zeiten gegenseitig zu unterstützen.
4. Die Rolle und der Beitrag der Evangelischen Kirche der Mara (MEC)
Die Evangelische Kirche der Mara (MEC) ist Mitglied des Myanmar-Kirchenrats, der Christlichen Konferenz Asiens, der Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen, des Lutherischen Weltbundes, des Verbandes der lutherischen Kirchen in Myanmar sowie mehrerer internationaler kirchlicher Partnerschaften.
In den letzten Jahren hat die MEC zahlreiche Krisen durchlebt, darunter Hungersnöte, die COVID-19-Pandemie, bewaffnete Konflikte, Naturkatastrophen und Binnenvertreibungen. Dennoch bleibt die Kirche standhaft im Glauben und schöpft Kraft aus 2. Korinther 4,8–10:
„Wir sind von allen Seiten bedrängt, aber nicht erdrückt; ratlos, aber nicht verzweifelt; verfolgt, aber nicht verlassen; zu Boden geworfen, aber nicht vernichtet. Wir tragen stets den Tod Jesu an unserem Leib mit uns, damit auch das Leben Jesu an unserem Leib offenbar wird.“
Aus dieser eindringlichen Schriftstelle hat die MEC eine Theologie der Resilienz entwickelt – eine Theologie, die aus dem Leiden hervorgegangen ist, aber in unerschütterlicher Hoffnung auf Gott verwurzelt ist. Diese Theologie bekräftigt, dass jede Notlage zu einer Gelegenheit werden kann, in Glauben, Hoffnung und Liebe zu wachsen, und nicht mit Verzweiflung, sondern mit neuem Vertrauen und zielgerichtetem Handeln darauf zu reagieren.
Einerseits festigt die Kirche ihr geistliches Fundament durch regelmäßige Gebete, Fastengebete, Gebetsketten und Erweckungskampagnen, indem sie Missionare aussendet, um das Evangelium zu verkünden, und dabei göttliche Kraft und Erneuerung sucht. Andererseits bringt sie ihren Glauben durch praktisches Handeln zum Ausdruck – indem sie Dienste und Einrichtungen gründet, die sowohl Gott als auch der Menschheit dienen.
Die Rolle und der Beitrag von „Together for Sustainable Development“ (TSD)
„Together for Sustainable Development“ (TSD) ging aus der Abteilung für Dienst und Entwicklung der Evangelischen Kirche der Mara (MEC) hervor und ist heute als Nichtregierungsorganisation (NGO) registriert, die sich dem Dienst an benachteiligten Gemeinschaften in Myanmar verschrieben hat. TSD arbeitet partnerschaftlich mit „Brot für die Welt“, der Hildesheimer Blindenmission (HBM), der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Amerika (ELCA), der Holy Trinity Church in Brüssel und „Christian Aid“ zusammen und ist als Unterpartner von Oxfam tätig.
Die Mission von TSD besteht darin, eine nachhaltige und ganzheitliche Gemeindeentwicklung durch Bildung, Existenzsicherung, WASH (Wasser, Sanitärversorgung und Hygiene), humanitäre Hilfe und die Stärkung der Gemeinden zu fördern.
Bildung und menschliche Entwicklung
Bildung bleibt einer der Schwerpunkte von TSD. Mit Unterstützung seiner Partner vergibt TSD Stipendien an Studierende im Grund- und Aufbaustudium, die in Myanmar und Indien eine Hochschulausbildung absolvieren.
Auf Gemeindeebene bildet TSD Gemeindelehrer und Vorschullehrer aus und gewährt ihnen eine Vergütung. Diese leiten altersgerechte Lernprogramme, die darauf ausgerichtet sind, verantwortungsbewusste und widerstandsfähige Bürger heranzubilden:
Diese Programme zielen darauf ab, die Charakterbildung, Familienwerte, Führungsqualitäten und das Gemeinschaftsbewusstsein bei Kindern und Jugendlichen zu stärken. Die wichtigsten Partner, die diese Bildungsinitiativen unterstützen, sind „Brot für die Welt“, die ELCA und die Holy Trinity Church in Brüssel.
Existenzsicherung und Umweltschutz
TSD unterstützt Jugendliche und Gemeindemitglieder durch berufliche und lebenspraktische Qualifizierungsmaßnahmen, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Webhandwerk und anderen einkommensschaffenden Aktivitäten liegt, die die Widerstandsfähigkeit der Haushalte stärken.
Darüber hinaus fördert TSD ökologische Nachhaltigkeit durch Sensibilisierungsmaßnahmen und praktische Schulungen zum Schutz von Wasserquellen und zum Management natürlicher Ressourcen für Gemeindevorsteher und lokale Interessengruppen.
Inklusion und Selbstermächtigung
In Zusammenarbeit mit der Hildesheimer Blindenmission (HBM) hat TSD im Jahr 2026 das Shalom Music Ministry für sehbehinderte Jugendliche ins Leben gerufen. Durch Musik, Führungskräfteentwicklung und gesellschaftliches Engagement zielt das Programm darauf ab, Inklusion, Würde und eine sinnvolle Teilhabe sehbehinderter junger Menschen an der Gesellschaft zu fördern.
Globales Gebet und spirituelles Engagement
In Anerkennung der Bedeutung spiritueller Widerstandsfähigkeit in Krisenzeiten hat TSD das Global Prayer Warrior Network ins Leben gerufen und entwickelt derzeit ein Global Prayer House. Diese Initiative zielt darauf ab, Gläubige aus verschiedenen Nationen im beständigen Gebet für Frieden, Gerechtigkeit, Versöhnung und nachhaltige Entwicklung zu vereinen, inspiriert vom Gebet Jesu:
„Dein Reich komme, dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden.“ (Matthäus 6,10)
Am 31. Juli 2025 hob die Militärjunta in Myanmar den seit dem Staatsstreich vom 1. Februar 2021 geltenden Ausnahmezustand offiziell auf. Es wurde eine Übergangsregierung gebildet und eine elfköpfige Kommission unter der Leitung von General Min Aung Hlaing wurde eingesetzt, um die für Dezember 2025 oder Januar 2026 geplanten Wahlen zu überwachen. Obwohl Min Aung Hlaing formell als Premierminister zurückgetreten ist, bleibt er amtierender Präsident und Oberbefehlshaber. Über die neuen Strukturen des Sicherheitsrates behält er die zentrale Kontrolle. Am 1. August gab er bekannt, dass sich das Militär aus 63 von 330 Townships zurückgezogen hat, in denen es zuvor Kämpfe mit bewaffneten ethnischen Gruppen gegeben hatte. Aber nun werden diese Townships immer
wieder zu Zielen für Luftangriffe des Militärs. Das Bildungsministerium Myanmars hat am 27. Juli 2025 die Ergebnisse der Prüfungen der 12. Klasse bekannt gegeben. Von den 207.898 Prüflingen haben lediglich 99.924 bestanden, was einer Quote von 48 Prozent entspricht. Das Ministerium für Alternative Bildung wird im Schuljahr 2025/26 landesweit 89 neue berufsbildende Gymnasien eröffnen, die den Schwerpunkt auf technische, landwirtschaftliche und viehzüchterische Ausbildung legen. Bewerben können sich Absolventen der 9. Klasse. Sie erhalten Lehrbücher und ein monatliches Stipendium für zehn Monate in Höhe von 10.000 MMK (4 Euro – das entspricht in Yangon den Kosten für 3 kg Reis).
Situation der Menschen im Chin State
Ein am 16. Juli 2025 vom Institut für Chin-Angelegenheiten veröffentlichter Bericht schätzt, dass seit dem Putsch im Jahr 2021 fast die Hälfte der Bevölkerung des Chin-Staates vertrieben wurde. Von der ursprünglichen Bevölkerung von schätzungsweise 500.000 Menschen sind rund 200.000 geflohen: Etwa 130.000 von ihnen sind Binnenvertriebene, während etwa 70.000 in Indien, insbesondere in den Bundesstaaten Mizoram und Manipur, Zuflucht gesucht haben. Mit 26,96 % hat der Chin State die niedrigste erfolgreiche Abschlussquote bei den Prüfungen der 12. Klasse.
Lebenssituation in Maraland und der Dienst der MEC
Das Maraland Territorial Council (MTC)/Maraland Defense Force (MDF) hat mit dem Bau einer 80 Kilometer langen Asphaltstraße begonnen. Sie soll den Bezirk Siaha in Mizoram (Indien) mit der Stadt Paletwa im Chin-Staat verbinden. Das am 17. Juli 2025 gestartete Projekt soll den Handel zwischen Indien und Paletwa bis zu dreimal schneller und kostengünstiger machen. Die Straße führt durch fast 40 Dörfer in Maraland und unterscheidet sich vom von Indien finanzierten Kaladan-Multi-Modal-Transitprojekt. Die Spannungen zwischen den revolutionären Chin-Gruppen in Maraland haben sich verschärft.
Seit dem 31. Januar 2025 greift eine vereinte Chin-Truppe, bestehend aus der CNA (Chin National Army), der CDF-Mara (Chinland Defense Force–Mara) und weiteren verbündeten Einheiten, ein Lager der MDF an. Bei der Offensive kamen Waffen und zahlreiche Drohnenangriffe zum Einsatz. Dabei gab es laut Berichten auf beiden Seiten Opfer: Zwei Soldaten der gemeinsamen Streitkräfte wurden getötet und drei weitere verletzt. Zudem wurden mehrere MDF-Mitglieder während der Kämpfe gefangen genommen.
Quelle: Myanmar Peace Monitor mpappress.com
Die sintflutartigen Regenfälle von Ende Mai bis Anfang Juni haben Brücken zerstört, die
zuvor Dörfer verbunden hatten. Erdrutsche haben Straßen blockiert. Hinzu kommen seit 2022 weitere Straßensperren durch bewaffnete Gruppen benachbarter Volksgruppen. Die MEC bemüht sich sehr aktiv um die geistliche Erneuerung ihrer Gemeindemitglieder. Zu diesem Zweck führt sie Erweckungskampagnen durch, bildet neue Pastoren und Pastorinnen aus und entsendet sie zur theologischen Ausbildung. Darüber hinaus setzt sie die säkulare Ausbildung am Centre of Maraland Education mit 600 Schülerinnen und Schülern im akademischen Jahr 2025/26 fort. Zudem wird der Gesundheitsdienst im Calvary Hospital ausgebaut.
Ein Vorschlag:
Gott, Du Herr und Vater aller Menschen, wir kommen zu Dir, weil Du die einzige Hoffnung und wahrer Helfer unseres uns allen Lebens bist - und bringen vor Dich die Not von Myanmar. Erbarm Dich über dieses Land mit seinen Reichtümern und doch großer Armut. Wir beklagen das Unrecht der Militärjunta, Verfolgungen, Folter, Tötungen, Unterdrückung von Freiheitsrechten, steigende Armut. Wir bitten Dich um Dein gnädiges Eingreifen.
Herr Jesus Christ, wir bringen vor Dich die Lage der Christenheit in Myanmar, gerade da, wo sie unterdrückt, verfolgt und zurück geworfen wird, dass sie auf Dich ihre Hoffnung setzt, der die Welt, auch den Tod überwunden hat. Sei mit allen Menschen guten Willens, Mitgliedern aller Religionen, dass sie sich einen um das Gute zu suchen und zu tun.
Gott Schöpfer, Heiliger Geist, gieß Deine Zuversicht in die Herzen der Menschen von Myanmar aus. Stell schützende Engel vor alle, die für Recht, Freiheit, Unversehrtheit des Lebens eintreten, in der Politik, in Kirchen, im Religiösen, in der Politik. Gib Kraft den Glaubenden, und die Gewissheit, immer in Gott Zuflucht zu finden.
Das bitten wir Dich, der Du die Menschenherzen auch der Mächtigen bekehren kannst. Amen.