Impressionen vom Himmelfahrts-Gottesdienst 2020

Nach zehn Wochen konnte sich die Gemeinde zum Himmelfahrtstag wieder zum Gottesdienst versammeln. Unter Beachtung der Abstandsregeln fand der Gottesdienst im Freien an der Kirche in Wendhausen statt. Unsere Gebete für gutes Wetter wurden erhört.

Hier sind ein paar Impressionen vom Gottesdienst. Da der Live-Stream leider nicht durchgängig funktioniert hat, hier nun für alle, die dem Gottesdienst nicht beiwohnen konnten, die Predigt.

 

„Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus, die Liebe Gottes des Vaters und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen!“ Amen

 

Liebe Gemeinde,

 

wie schön, Euch heute morgen hier zu sehen. Seit dem 15. März konnten wir uns wegen Corona nicht mehr in unseren beiden Kirchen in Hordorf und Wendhausen zum Gottesdienst versammeln!

  

Auch jetzt geht das noch nicht, weil wir wegen der angeordneten  Abstandsregel von 1,5 m nur eine beschränkte Besucherzahl in unsere Kirchenräume lassen dürften (Hordorf 8 / Wendhausen 15). Wir wissen nicht, wie wir das handhaben sollen: Gottesdienstbesucher an der Tür abweisen? – das geht doch gar nicht! Aber unter freiem Himmel dürfen wir uns, so wie heute, versammeln und sogar unsere Lieder zum Lob Gottes singen! Das ginge in der Kirche nicht! Und sogar ein kleiner Posaunenchor darf heute hier im Freien auftreten und uns im Gesang unterstützen!

 

An dieser Stelle möchte ich einmal ganz herzlich Andreas Pauli, Petra Mai und Marc Schikorski danken, dass sie auf unserer homepage die Möglichkeit geschaffen haben, Gottesdienste unter der Kategorie „virtuelle Kirche“ Sonntag für Sonntag in den zurückliegenden Wochen anzubieten! Da steckt viel Arbeit drin!  Übrigens: die online-Gottesdienste wurden immer deshalb in Wendhausen aufgenommen, weil wir hier die Aufnahme-Ausrüstung die Woche über stehen lassen konnten. Dass die Gottesdienste nur in Wendhausen aufgenommen wurden, dürft ihr nicht als  Zurücksetzung der Hordorfer Kirche verstehen – es hatte einfach ganz pragmatische Gründe!

 

Nun heute,  am Himmelfahrtstag, können wir hier im Freien auf der großen Wiese vor der Wendhausener Kirche  wieder physisch zusammentreten, um diesen Gottesdienst gemeinsam zu feiern. Herrlich! Man könnte ja die Haltung einnehmen und sagen: „Och, so ein online-Gttesdienst genügt mir. Zu Hause / bei einer Tasse Kaffee / zu einer Zeit, die ich selbst bestimme – da kann man doch eigentlich ganz schön einfach privat, in den eigenen 4 Wänden,  den Feiertag heiligen und auf Gottes Wort hören. Das ist doch eine recht komfortable Sache.“

Ja, in gewisser Hinsicht ist ein online-Gottesdienst eine komfortable, Angelegenheit, aber christlicher Glaube lebt nicht nur vom privaten Hören auf das Wort Gottes. Wir können unseren Glauben nicht auf die eigenen vier Wände begrenzen! Als Christen bilden wir eine Gemeinschaft – eben den Leib Christi / d.h. wir folgen gemeinsam Jesus Christus nach! Denn wir brauchen einander auf dem „schmalen Weg“, auf den uns Jesus in der Nachfolge gestellt hat, um uns gegenseitig zu ermutigen, aufzuhelfen, wenn wir es nötig haben. Das ist so wie mit Hans und Grete: die gehören auch  physisch zusammen  im Bund der Ehe. Eine online-Ehe / eine virtuelle Ehe – nicht vorstellbar! 

 

Gute Beziehungen leben vom regelmäßigen Kontakt. Kontakte, Begegnungen wollen gepflegt werden, sonst nehmen sie Schaden.

 

Darum ruft uns das Evangelium als Gemeinde zusammen -  aus der Vereinzelung in die Gemeinschaft vor Gott / im Gottesdienst / im gemeinsamen Hören auf Sein Wort / im gemeinsamen Lob seines Namens / seiner Güte.

 

Der Glaube an Jesus Christus, die innere Verbundenheit mit Jesus erweckt in jedem Gläubigen das Bedürfnis, auch mit anderen Christen verbunden zu sein und persönliche Gemeinschaft zu haben. Das ist einfach eine natürliche Wirkung des Heiligen Geistes, der in allen wohnt, die an Jesus Christus galuebn.

 

Und es macht schlicht  einen Mangel an Heiligem Geist offenbar, wenn man die christliche Gemeinschaft aufgibt und nicht mehr das Verlangen hat, den anderen / den Mitchristen zu treffen und sich gegenseitig im Glauben zu stärken.

 

Paulus schreibt an die Christen in Philippi:

 

„Gott ist mein Zeuge, wie mich nach euch allen verlangt  von Herzensgrund in Christus Jesus!“ Phil 1:8 

Johannes an seinen Freund Gajus:

 

„Ich hätte dir viel zu schreiben; aber ich wollte nicht mit Tinte und Feder an dich schreiben. Ich hoffe aber, dich bald zu sehen; dann wollen wir mündlich miteinander reden.“ (3. Johannes 13f)

 

An die Christen in Rom schreibt Paulus:

 

„Mich verlangt danach, euch zu sehen, damit ich euch etwas mitteile an geistlicher Gabe, um euch zu stärken.“ Rö 1:11

 

„Mich verlangt danach, euch zu sehen!“, liebe Gemeinde, dieses Verlangen, von dem Paulus hier spricht, hat seinen Ursprung im Herzen Gottes.

 

In Johannes 3:16 lesen wir:

 

 „So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einigen Sohn gab, auf dass alle, die an IHN glauben, nicht verloren sind, sd das ewige Leben haben.“

 

Gott verlangt danach, mit uns Menschen zusammen zu sein!

 

In der Menschwerdung Jesu hat Gott dieses Verlangen gestillt und die physische Gemeinschaft mit uns Menschen aufgenommen!

 

Der heilige Gott hatte wegen der Sünde in uns Menschen allen Grund zur „sozialen Distanzierung“. Darum redete er nach dem Sündenfall zunächst auch nur durch seine Propheten zu den Menschen, aber  in Jesus kam er uns dann doch persönlich / leibhaftig ganz nahe!

 

Schriftliche oder auch  virtuelle Kommunikation ist vorübergehend schön und recht, wenn es gar nicht anders geht; aber, das machen die Apostel deutlich:  der Glaube wird gestärkt durch die reale Begegnung / durch die physische, persönliche  Gemeinschaft  der Christen untereinander.

 

Darum freuen wir uns heute auch so, nach so vielen Wochen hier an dieser Stelle wieder Gottesdienst zu halten und uns zusammen an der Himmelfahrt Jesu zu freuen! Denn dass Jesus nach seiner Auferstehung zur Rechten Gottes in den Himmel aufgefahren ist – das ist wirklich Grund zu großer Freude, / eine Freude, der wir zusammen Raum geben wollen wie die Apostel damals, die die Himmelfahrt miteinander so erlebten:

 

Apostelgeschichte  1:6-12

 

„Er (Jesus)  führte sie (die Jünger) hinaus nach Bethanien und hob die Hände auf und segnete sie.  Und es geschah, als er sie segnete, schied er von ihnen und fuhr auf gen Himmel.

 

Sie aber beteten ihn an und kehrten zurück nach Jerusalem mit großer Freude und waren allezeit im Tempel und priesen Gott.“

 

Großartig! Eine tolle Szene!

 

Damals – das war übrigens auch ein Freiluft-Erlebnis! Ein Open-air-Gottesdienst! Der auffahrende Jesus segnete die Gruppe, die Gemeinschaft seiner Jünger, nachdem er zu ihnen zuvor geredet, sie gelehrt hatte. Zusammen beteten sie ihn an und waren mit großer Freude erfüllt und sie blieben dann über den ganzen Tag hinaus zusammen, um sich der Himmelfahrtsfreude hinzugeben und Gott zu loben!

 

Liebe Gemeinde, die Himmelfahrt Jesu stellte ganz offenkundig einen Abschied dar, der keine Traurigkeit bewirkte, der keine betrübten, niedergedrückten Menschen hinterließ, keine Tränen, keine Beklommenheit, keine innere Leere verursachte, vielmehr war die Himmelfahrt ein Abschied, der  die „Hinterbliebenen“, die  „Zurückbleibenden“ mit Freude erfüllt! Wie ist das zu erklären? Es war eben ein Abschied, der in Wahrheit gar keiner war!Die Apostel wussten und spürten: dieser Jesus ist zwar von jetzt an unseren Augen enthoben, aber in Wirklichkeit ist er uns von jetzt an viel näher und gegenwärtiger als je zuvor! Woher weiß ich, dass die Apostel so empfanden? Weil sie Jesus anbeteten, obwohl „ eine Wolke ihn vor ihren Augen weggenommen“ hatte. Man betet nur Gott an, weil er allein allmächtig und allgegenwärtig ist. Jesus ist der Sohn Gottes, der wie der Vater / wie der heilige Geist Anteil hat an der göttlichen Allmacht und Allgegenwart. Die Jünger  sahen Jesus seit jenem  Tage  nicht mehr mit ihren physischen Augen, aber sie beteten ihn an –  weil sie spürten: er ist gar nicht weg, die Himmelfahrt hat ihn uns nicht weggenommen, sondern vielmehr allgegenwärtig gemacht und darum waren sie erfüllt – nicht nur mit ein bißchen, sondern mit ganz großer Freude, die den ganzen Tag anhielt! „Wo zwei od drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen“ (Matthäus 18:20) hatte Jesus zu ihnen ja früher einmal  gesagt. Seit der Himmelfahrt wussten und begriffen die Jünger, wie dies für alle Zeit möglich sein konnte!

Himmelfahrt bedeutet:  Jesus nimmt wieder an der Allgegenwart Gottes des Vaters teil. Das ist ja auch der Grund, warum die Apostel dann kurze Zeit später  dem Wort Jesu folgen konnten und hinaus gingen in alle Welt: Jesus kann ja an jedem Ort dieser Erde angerufen, angebetet und erlebt werden – eben aufgrund seiner Himmelfahrt / seiner Verallgegenwärtigung“!

Hier auf dieser Wiese, zu Hause (virtuelle Kirche), in ganz Deutschland / ja im Maraland/Myanmar  (für mich buchstäblich das Ende der Erde!!!) -  egal in welche Richtung ihr fliegt: überall ist  Jesus  gegenwärtig! Christi Himmelfahrt – das erfüllte die Jünger  mit Freude! Himmelfahrt war ein ganz großartiger  Abschied! Ein Abschied, der eben gar keiner war! Die Apostelgeschichte, die übrigen Berichte / die 28 Kapitel, die dem Himmelfahrtsbericht dann noch folgen,  ist nichts anderes als eine Sammlung von Erfahrungsberichten, die nur belegen und bezeugen, dass Jesus wirklich alles andere als  tot und ganz und gar  nicht aus dieser Welt verschwunden ist, sondern in aller Welt, wo immer seine Gläubigen ihn anrufen, ist Jesus  gegenwärtig und baut sein Reich! Jesus kriegt man nicht mehr raus aus dieser Welt!  Jesus kriegt man nicht mehr los und weg von den Menschen, die er so sehr liebt! Die Feinde Jesu hatten  es versucht: sie wollten Jesus loswerden, indem sie Ihn kreuzigten. Es gelang ihnen aber nicht!  Es wurde – aus Sicht der Feinde – nur  noch viel „schlimmer“ mit diesem Jesus: überall in der damaligen  Welt, im römischen Reich sprach man plötzlich von diesem Jesus. Die Jünger, die Christen hatten damals den Ruf weg, dass sie „den Weltkreis erregten“ (Apg 7:6).Und Markus berichtet: „Nachdem der Herr Jesus mit ihnen geredet hatte, wurde er aufgehoben gen Himmel und setzte sich zur Rechten Gottes. Sie aber zogen aus und predigten an allen Orten. Und der Herr wirkte mit ihnen und bekräftigte das Wort durch die mitfolgenden Zeichen.“ (Markus 16:20)

Diese Welt wird Jesus nicht mehr los! Ja,  je mehr man versucht, Ihn loszuwerden, desto mehr befördert man damit Seine Präsenz in der Welt! Je mehr man gegen Seine Nachfolger kämpft und angeht, desto mehr  breitet sich das Reich Gottes aus. Das hat schon damals die Römer verrückt gemacht, die die Christen verfolgten; ein Statthalter beschwerte sich beim Kaiser dass die Christen wie ein bestimmtes Unkraut seien, das sich umso mehr ausbreitet und wächst, je mehr man versucht,  es zu bekämpfen. Schon Pharao wollte die Isareliten, die Nachkommen Jakobs in Ägypten unterdrücken und vernichten – er bewirkte nur, dass die Juden unter der Führung von Mose eine geschlossene Nation wurden und ein eigenes Land bekamen. Auch Hitler wollte die Juden vernichten – heute  haben sie, nach dem Holocaust,  einen eigenen Staat im eigenen Land Israel!

 

Das ist so: wer gegen Gottes Sache  kämpft, befördert sie nur!

 

Man wollte Jesus loswerden – jetzt kann man ihn kraft seiner Himmelfahrt in allen Erdteilen anrufen und ihm nachfolgen! Die Himmelfahrt Jesu – das war ein Abschied, der keiner war! Darum waren die Jünger erfüllt mit großer Freude! Ich bitte Gott, dass uns die Tatsache der Himmelfahrt Jesu, seine Allgegenwart auch heute mit derselben Freude erfüllt, wie die Apostel damals!  

Aber -  was macht Jesus eigentlich da im Himmel? Man könnte sagen „dies und das!“ – aber eben alles, was der Ausbreitung seines Reiches dient. Und das ist sehr vielfältig Doch  eins möchte ich heute für uns besonders  hervorheben. Seht,  in 2. Chronik 16:9 steht

 „Des HERRN Augen schauen alle Lande, dass er stärke, die mit ganzem Herzen bei ihm sind!“   Das ist es! Jesus sitzt zur Rechten Gottes! Er ist immer noch Mensch und Gott in einer Person. Jesus repräsentiert damit in seiner Person die Menschheit, die Gläubigen am Thron des Vaters. Und vom Thron des Vaters aus sieht er in unser Leben, in unsere Lebensverhältnisse,  in unsere Lebens- und Glaubenskämpfe,  in unsere Leiden und  --- wo er sieht, dass wir schwach oder schwankend werden – greift er ein, mobilisiert er am Thron des Vaters die Hilfe für uns! Paulus schreibt:

 „Jesus Christus ist hier, der gestorben ist, ja vielmehr, der auch auferweckt ist, der zur Rechten Gottes ist und uns vertritt!“ Römer 8:34 

Jesus sieht uns, er, der unser Fleisch und Blut angenommen hat, identifiziert sich mit unseren Glaubens- und Lebenskämpfen und bringt unsere Bedürfnisse vor den Vater im Himmel. Himmelfahrt – das ist darum Grund zur Freude und Trost für alle Angefochtenen! Wir haben einen Fürsprecher am Thron des Vaters! Was macht Jesus im Himmel? ER schaut alle Lande, um durch seine  Fürbitte die zu stärken, die Stärkung brauchen!  

 „Sie aber beteten ihn an und kehrten zurück nach Jerusalem mit großer Freude und waren allezeit im Tempel und priesen Gott.“ > also: Himmelfahrt – das war ein Abschied, der nicht Traurigkeit sondern  Freude, große  bewirkte!

Übrigens auch deshalb, weil den Jüngern ja gesagt wurde:

„Dieser Jesus, der von euch weg gen Himmel aufgenommen wurde, wird so wiederkommen, wie ihr ihn habt gen Himmel fahren sehen!“ Apostelgeschichte 1:11

Warum also trauern, wenn Jesus versprochen hat, wieder-zukommen?! Es gibt für Jesus ein Comeback! Sein Comeback wird allerdings  ganz anders ausfallen als sein erstes Kommen und Auftreten. Jesus wird wiederkommen. Doch dann in „Macht und Herrlichkeit“, um zu vollenden, was er vor 2000 begonnen hat! Und unsere Aufgabe ist es als Himmelfahrtsgemeinde, dieses Comeback Jesu vorzubereiten: indem wir dafür Sorge tragen, dass sich dann viele, viele  Menschen an seinem Comeback / an seiner Wiederkunft freuen,  weil sie durch unser Zeugnis an Ihn glauben!

 Übrigens glaube ich (mit vielen anderen Christen), dass die Wiederkunft Jesus wirklich sehr nahe ist! Ich freue mich auf sein Comeback!

 

Amen.