Ermutigungs-Wort für den 31. Januar 2021

für den letzten Sonntag nach Epiphanias - 31. Januar 2021 von Pfarrerin Stephanie Gupta

Photo by Jude Beck on Unsplash
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Wir erzählen euch keine Märchen!

 

Am letzten Sonntag im Januar verabschieden wir uns von der Weihnachtszeit mit einer Lichterzählung. Das tut gut in der dunklen Jahreszeit. Auch wenn die Tage schon wieder länger werden, Januar und Februar erleben die meisten von uns als die schwierigen Wintermonate. Es ist kalt, dunkel und man kann nicht viel tun, im Lockdown sowieso nicht. Da können wir eine Aufmunterung schon gebrauchen.

 

Aber diese Geschichte ist schon ziemlich unglaublich. Von Verklärung ist da die Rede, von Licht und leuchtenden Gestalten.

Auf den Berg sind sie mit ihm gestiegen, die engsten Anhänger mit Jesus, und dann erleben sie etwas, dafür haben sie eigentlich keine Worte. Sein Gesicht leuchtet wie die Sonne, seine Kleider werden weiß wie Licht. Zwei andere Gestalten erscheinen in diesem Licht und reden mit Jesus. Den Jüngern ist dabei so wohl, hier wollen sie immer bleiben. Dann kommt aus dem Licht  eine Stimme, die sagt, wie sehr sie Jesus liebt und dass es sich lohnt, auf ihn zu hören.

 

Diese Bilder ähneln auffallend den Erzählungen über Nahtoderfahrungen. Auf Netflix gibt es seit Anfang Januar 21 die sehenswerte Dokumentation „Jenseits des Todes“. Durch die weltweite Vernetzung tauschen sich immer mehr Menschen über Erfahrungen aus, für die es (bisher) keine wissenschaftliche Erklärung gibt. So kommen neben Betroffenen auch Journalisten und Wissenschaftler zu Wort, die seit vielen Jahren diese Phänomene erforschen.

Die erste Folge beleuchtet Nahtoderfahrungen, also die Erlebnisse von Menschen, die aus dem Sterben ins Leben zurückgeholt wurden. Manche hatten nur für kurze Zeit eine Nullinie, mache waren wochenlang hirntot.

Viele berichten von einem Tunnel, der sie ins Licht führt, von dem Gespräch mit Verstorbenen Familienangehörigen und anderen Lichtgestalten, von einer umfassenden Liebe, die sie umfing und von der Verbundenheit mit allem Sein. Die meisten erfüllte ihre Nahtoderfahrung mit einem großen Glück und sie waren gar nicht erfreut, aus diesem Zustand wieder „zurückgeholt“ zu werden.

Helles Licht, ein Gespräch mit Lichtgestalten, große Liebe, ein „hier will ich nicht mehr  weg“ – Gefühl, so ähnlich beschreibt die Bibel auch, was die Jünger mit Jesus auf dem Berg erlebten.

Für mich bedeutet dieses Ähnlichkeit, dass Jesus in einer besonders engen Verbindung zu Gottes Reich, zu dieser anderen, geistlichen Welt stand, dass er daraus seine Kraft und sein Wissen bezog. Bei dieser einen Gelegenheit wurde es für andere sichtbar.

Wir können das heute mit modernen Bildern und Erfahrungen beschreiben und bestätigen: Wir erzählen euch keine Märchen! Es gab damals Zeugen, und es gibt auch heute immer mehr Zeugen dafür, dass es eine geistige, eine spirituelle Welt gibt und dass wir mit ihr verbunden sind.

Die tröstliche Botschaft, dass es ein Leben nach dem Tod wirklich gibt, dass wir mehr sind als unsere Gehirnströme, dass wir eine Seele haben, die unabhängig von unserem Körper besteht, ist Grundlage vieler Religionen, auch der unseren. Nun wird das nicht mehr nur belächelt, sondern zunehmend erforscht. Vielleicht wird eines Tages aus Glauben Wissen. Das sind aufregende Nachrichten.

Manche Menschen, so zeigt es die Dokumentation, wirft die Erkenntnis, dass sie eine fortlebende Seele haben, aber auch völlig aus der Bahn. Sie sind zutiefst verunsichert, weil alles, was unsere moderne Welt sie lehrt, auf den Kopf gestellt wird. Gegen „es zählt nur was du hast, sehen und messen kannst“ steht nun die Erfahrung „ich habe selbst etwas erfahren, das ich vorher als Spinnerei abgetan habe, da ist so viel mehr, das wir noch nicht wissen, ich bist mit allem verbunden, ich werde zutiefst geliebt.“

 

In dieser Zeit mit wenig Licht und wenig Kontakt finde ich es tröstlich, dass unser Glaube kein Märchen ist, sondern der Kontakt mit einer Wirklichkeit, die viel größer ist als unser kleines menschliches Wissen. Wer sich jetzt allein fühlt und niedergeschlagen, kann die Augen schließen oder bei einem Spaziergang ein Stück Natur berühren und sich sagen: Das hier ist nicht alles. Ich bin mit allem und allen verbunden, den Lebenden und den Toten. Ich werde erwartet. Ich bin eine ewige Seele. Ich bin zutiefst geliebt.

 

 

Photo by Zac Durant on Unsplash
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Zum Nachlesen: die Verklärung Jesu steht bei Matthäus im 17. Kapitel, der Zeugenbericht und die Bekräftigung, dass das keine Märchen sind, im 2. Petrusbrief.

 

Ihre Stephanie Gupta

 

 

Pfarrerin für Volkmarode und Dibbesdorf

im Pfarrverband Zwölf Apostel / Cremlingen