Ermutigungs-Wort für den 10. Januar 2021

Am Dienstag haben wir angespannt die Bundes-Pressekonferenz verfolgt: würde es Ideen geben, die hohen Infektions-Zahlen runterzubringen – und was für weitere Zumutungen würde das mit sich bringen? Ich bin erleichtert, einerseits, dass Kontakte weiter reduziert werden sollen, weil ich hoffen darf, dass sich dadurch die Corona-Lage entspannen kann. Zugleich muss man fürchten, dass weniger Kontakte auch bedeuten: mehr Einsamkeit, mehr Frust, mehr Sorgen wegen der wirtschaftlichen Situation. Ich merke, dass mich die Situation immer wieder angespannt sein lässt. 

Einsamkeit, Frust, Sorgen.

Auf der Suche nach einem Wort, das Mut machen kann, stoße ich auf das Evangelium dieses Sonntags. Es ist die Erzählung von der Taufe Jesu durch Johannes den Täufer (Matthäusevangelium, Kapitel 3, Verse 13 bis 17).

Wie kann diese Erzählung Mut machen?

Ich denke an Martin Luther. In Situationen, in denen es ihm wirklich schlecht ging, wo er Angst hatte, in den schwersten Stunden seines Lebens, hat er sich gesagt – und hat es sogar auf seinen Tisch geschrieben: „Ich bin getauft“ – „Baptizatus sum!“

Was auch immer dich bedrängt: du sollst wissen: Gott steht an deiner Seite! Das hat er dir in der Taufe zugesagt. Er ist für dich da. Die Taufe ist das Zeichen dafür. Das Wasser, das damals über deinen Kopf floss, ist das Zeichen dafür, dass dir von Gott immer wieder Kraft und Leben und Mut her kommt. Auch wenn du nicht getauft bist, sollst du wissen: Gott steht an deiner Seite und ist für dich da.

Der erste, der getauft hat, war Johannes. Und sein prominentester Täufling ist Jesus aus Nazareth gewesen. In allen Zeiten hat die Kirche getauft: Menschen in ganz verschiedenen Lebensaltern, im Säuglingsalter, Erwachsene, alte Menschen, Konfirmand*innen.

Und immer mit dem Versprechen: Gott ist für dich da, fürchte dich nicht!

In unserer Wendener Kirche liegen auf dem Altar zwei sehr dicke Bücher, seit 1992. Die vier Evangelien sind in ihnen aufgeschrieben. Von Hand und mit einigen Illustrationen. Ungefähr 180 Gemeindeglieder waren daran beteiligt, haben geschrieben, gezeichnet, gemalt. Im Sonntagsgottesdienst ist immer das Sonntagsevangelium aufgeschlagen. An diesem Sonntag, am 10. Januar werden wir keinen Präsenz-Gottesdienst feiern, wegen der Corona-Lage. Aber das Bild zum Evangelium können Sie trotzdem sehen, auf der ersten Seite.

Bärtig ist Johannes der Täufer.

Jesus macht einen eher jugendlichen Eindruck. Vielleicht hat ein Konfirmand oder eine Konfirmandin ihn gezeichnet. Und sich in ihm wiedererkannt.

Die Erzählung von der Taufe Jesu hebt einerseits die Besonderheit des Christus heraus. Sie will aber auch jeden Einzelnen und jede Einzelne daran erinnern, dass Gott dir zusagt, für dich da zu sein, mit dir durch dick und dünn zu gehen, durch Tiefen und Höhen.

Ich wünsche uns allen, dass wir uns Mut machen lassen, dass wir vertrauen auf Gott, der uns, Getaufte und Nicht-Getaufte, begleitet. Immer und überall.

Bleiben Sie behütet!

 

Tillmann S. Mischke,

Pfarrer in Wenden und Thune

im Pfarrverband Schunter