Ermutigungs-Wort für den 3. Januar 2021

Die Jahreslosung des alten Jahres 2020 lautete:

„Ich glaube; hilf meinem Unglauben!“

(Evangelium des Markus, Kap. 9, Vers 44)

 

Die Jahreslosung für das neue Jahr 2021 lautet:

„Jesus Christus spricht: Seid barmherzig,

wie auch euer Vater barmherzig ist!“

(Evangelium des Lukas, Kap. 6, Vers 36)

 

Kerngedanke zur Jahreswende:

Rückschau halten auf das, was mit diesem alten Jahr zu Ende ging: Gelungenes, Missratenes, Belastendes und Erfreuliches.

Ausblick wagen auf das, was im neuen Jahr bleiben oder neu werden kann.

Anfang und Ende liegen nicht allein in unseren Händen. Sie liegen vor allem in Gott. Dieses Vertrauen kann unseren Blick

zurück wie auch unseren Blick nach vorn heilsam verändern.

 

Gebet zur Jahreswende:

Herr, unser Gott! Wir danken dir für jeden Tag und jede Stunde,

die du uns schenkst. Nun legen wir ein altes Jahr zurück

in deine Hände: wandle in Segen, was darin für uns schwer

war, schenke uns einen versöhnlichen Rückblick.

Wir empfangen ein neues Jahr aus deiner Hand: mach es zu

einem Jahr deiner Gnade, schenke uns einen hoffnungsvollen

Ausblick.

Lass uns mitten in diesem Übergang deine Nähe und Gegenwart

spüren: in allem, was war, - und in allem, was kommt.

 

Das bitten wir in Jesu Namen. Amen.

 

Gedanken zur Jahreswende 2020/2021

Nicht Wenige von uns werden wohl innerlich „drei Kreuze“ machen, dass das alte Jahr 2020 nun vorüber ist. Zu sehr hat uns allen seit

März die Pandemie mit ihren belastenden Folgen zugesetzt. Kaum jemand von uns hätte das zu Beginn der letzten Jahres geahnt.

Und das war ja nicht die einzige Herausforderung, vor die wir im alten Jahr gestellt wurden:

„Ich glaube, hilf meinem Unglauben.“ Mit dieser Losung waren wir vor 12 Monaten ins Jahr 2020 gestartet. Hat die Pandemie nicht

auch unseren Glauben herausgefordert? Wir erinnern uns gut an den Lockdown im letzten Frühjahr: geschlossene Kindergärten und

Schulen, Home-Schooling, Home-Office. Das waren nicht nur neue Wörter. Es wurde eine neue Art zu leben. Auch unsere Gottesdienste

wurden anders. Das Virus richtet sich nicht nach unseren Feiertagen und Kalenderwechseln. Mit dem neuen Jahr sind die Belastungen des alten Jahres nicht einfach verschwunden. Die Folgen der Pandemie mit all den notwendigen Einschränkungen werden uns noch länger begleiten auch in diesem neuen Jahr. Selbst wenn jetzt die ersten Impfungen erfolgen, wird das wohl erst ganz allmählich zu Entspannung

und Entlastung beitragen. Und auch die anderen Themen des alten Jahres begleiten uns weiter: Klimawandel, Globalisierung, künstliche Intelligenz, private und nationale Egoismen, längst überwunden geglaubte, vordemokratische radikale Politikmodelle. Kaum etwas davon ist wirklich „neu“ im neuen Jahr! … Wie könnte es auch?! Und: sind nicht wir alle immer noch die gleichen alten Menschen, die gleichen alten Evas, alten Adams und/oder alten Diversen? Sehnen wir uns nicht alle immer noch und immer wieder nach Liebe und Leben, nach Vergebung und Gemeinschaft, nach Hoffnung und Zukunft? All dies nehmen wir auch mit ins „neue“ Jahr 2021. Und als Christenmenschen bringen wir die alte und ewig neue Botschaft unseres Glaubens mit, dass unser Gott uns (und alle Welt !) auch durch dieses neue Jahr begleiten wird, mit seiner menschgewordenen Liebe zu allen Geschöpfen, mit all seiner oftmals übermenschlichen Geduld mit uns, und mit all seiner väterlich-mütterlichen, göttlichen Barmherzigkeit für all seine verlorenen und wieder gefundenen Kinder.

Die neue Jahreslosung für 2021 will uns dazu Mut machen:

„Seid barmherzig, wie euer Vater barmherzig ist.“

Etwas mühsamer als für mich mag dieser Satz für jemanden sein, dessen menschlicher Vater nicht gar so barmherzig war oder ist.

Hoffentlich gibt es dann wenigstens eine barmherzige Mutter oder Oma, die mit ihrer Liebe zeigen, wie sich Barmherzigkeit anfühlt.

Und vielleicht entdeckt der eine oder die andere mit mir in diesem Bild zur neuen Jahreslosung, wie Barmherzigkeit aussehen könnte:

Da nehmen sich viele Menschen gemeinsam die liebevolle Zuwendung Gottes zu uns allen zum Beispiel. Sie nehmen sich alle den

einen barmherzigen Samariter als Vorbild, der einem unter die Räuber gefallenen Verletzten hilft. Viele kleine Menschen zusammen

bilden so etwas davon ab, wie menschliches Zusammenleben auch sein und funktionieren könnte. Mit dieser Jahreslosung im Ohr und im Herzen und mit diesem Bild barmherziger und liebevoller menschlicher Zuwendung vor Augen können wir alle vielleicht tatsächlich versuchen, etwas mehr Barmherzigkeit zu wagen im neuen Jahr. Dann wird vermutlich nicht alles neu und anders, aber zumindest einiges besser und menschlicher.

 

Fürbitten

Gott,

du Ursprung und du Ziel von allem, was ist, du Anfang, Mitte und Ende der Zeit!

Am Ende des alten Jahres erkennen wir: es war ganz anders, als am Anfang erwartet, - so ganz anders als andere Jahre.

Wir bringen dir unsere Ängste angesichts der Pandemie, und auch unsere Ängste vor den Leugnern und Querdenkern.

Wir bringen dir unsere Trauer um all die Toten und Erkrankten, unser Entsetzen über manch leichtfertigen Umgang mit der

Gefahr und unser Erschrecken über die Folgen manch harter Einschränkungen, die dennoch bisher so wenig zu bewirken

scheinen, und auch unsere Sorgen über das Erstarken längst überwunden geglaubter radikaler Ansichten.

Auf dem Weg in ein neues Jahr bitten wir um dein Weggeleit, damit es ein Jahr des Segens und des Friedens werde.

Steh uns zur Seite, wenn schwierige Tage kommen. Tröste uns in Stunden der Not. Gib uns Mut zu neuen Wegen.

Lass uns staunen über die Wunder des Lebens, den Reichtum menschlicher Kunst und die Fortschritte in Wissenschaft und

Forschung. Gib, dass alle Menschen, ihre Gaben in deinen Dienst stellen, damit alles Können und Wirken, alles Denken,

Reden und Tun dem Leben dient und deinem Heil. Dir, Gott des Lebens, und deiner Liebe vertrauen wir uns an, heute und alle Tage, die kommen.

Im Namen Jesu Christi. Amen.

 

Herzliche Segenswünsche zum Gnadenjahr des Herrn 2021

Ihr/Euer Michael Gerloff

Pastor in Bevenrode und Waggum

im Pfarrverband Schunter

 

Ausblick: 

„Von guten Mächten wunderbar geborgen,

erwarten wir getrost, was kommen mag.

Gott ist mit uns - am Abend und am Morgen -

und ganz gewiss an jedem neuen Tag.“

(D. Bonhoeffer, EG 65, 7)