Ermutigungswort für den 8. November 2020

 „Ein jegliches hat seine Zeit …“ sinniert der Prediger Salomo, und er zählt dann vieles auf: Geboren-Werden und Sterben, Pflanzen und Ausreißen, Weinen und Lachen, Klagen und Tanzen, Steine-Wegwerfen und Steine-Sammeln, Suchen und Verlieren – die Aufzählung enthält Positives und Negatives, Nützliches und Unnützes, Sinnvolles und Sinnloses. Das alles kommt vor, gibt es im Leben. Manchmal höre ich in diesen Worten, dass alles das aber auch nur seine Zeit hat, also auch irgendwann wieder vorbei ist. Je nachdem, ob es gute oder schwierige Zeiten waren, kann man darüber dann traurig oder erleichtert sein. Bei Beerdigungen nutze ich manchmal diese Verse, beziehe sie auf verschiedene Lebensphasen des oder der Verstorbenen und letztlich auf das Leben als Ganzes.

Alleine reichen mir diese Verse aber nie. Meistens setze ich dann diesen anderen, sehr viel tröstlicheren Vers dazu: „Meine Zeit steht in Gottes Händen.“ Aus diesem Vers spricht für mich das Vertrauen, dass Gott in jeder Phase meines Lebens bei mir ist, den positiven und den negativen, den sinnvollen und (anscheinend) sinnlosen Zeiten, und letztlich auch nach meinem Leben als Ganzes. So wird für mich aus der etwas emotionslosen Aufzählung des Predigers ein Glaubenssatz, dass ich in allem was mir widerfährt von Gott gehalten bin.

 

Ob ich damit jeweils die Trauernden erreiche, weiß ich natürlich nicht. Ich hoffe es. Aber ich weiß auch, dass es darauf ankommt, diese Worte nicht nur zu hören oder zu sprechen, sondern in sich zu spüren. Auch ich selbst spüre diese Zuversicht mal weniger und mal mehr in mir.

In diesem Jahr könnten wir die Aufzählung des Predigers weiterschreiben:

 

Lockdown hat seine Zeit – Erholung vom Lockdown hat seine Zeit,

Planen hat seine Zeit – Absagen, was geplant ist, hat seine Zeit,

Ärgern hat seine Zeit – Geduld hat seine Zeit,

Regeln haben ihre Zeit – Nachsicht hat seine Zeit,

Einsamkeit hat seine Zeit – Telefonieren hat seine Zeit,

Angst hat seine Zeit – Hoffen hat seine Zeit.

Kann ich glauben, dass das alles in Gottes Händen steht, wenigstens er also größer ist als alles Chaos und alle Angst und wenigstens er den Überblick hat? Und dass er mich durch all diese Zeiten führt und sie mit mir aushält? …

Morgens klingelt das Telefon: Das Gesundheitsamt teilt mir mit, dass mein Test positiv ist, ich also an Covid 19 erkrankt bin. „Sch…“ entfährt es mir, habe ich doch nur leichte Erkältungssymptome und den Test eigentlich nur „sicherheitshalber“ gemacht. Der Kopf schwirrt mir vor Fragen: Habe ich rechtzeitig gehandelt? Habe ich jemanden angesteckt? Wen muss ich sofort warnen? Und was ich alles absagen muss! – Inzwischen weiß ich, dass ich wohl niemanden angesteckt habe – Gott sei Dank! Trotzdem gilt seitdem für mich:

 

Quarantäne hat seine Zeit,

Isolation („Aufhören zu herzen“) hat seine Zeit,

Fieber und Fieber-Messen hat seine Zeit,

und inzwischen haben auch mehrere andere Symptome ihre Zeit.

 

In diesen Zeiten gab es aber auch meine Hausarztpraxis, die den Corona-Test schon eine Stunde nach meinem Anruf durchgeführt hat (das machen nicht alle!); das Labor, das einen Tag später das Ergebnis hatte; die Dame vom Gesundheitsamt, die mit unendlicher Geduld meine unbeholfenen Fragen beantwortete; viele Angebote, für mich und meine Frau einzukaufen (auch von Menschen die weiter weg wohnen oder die wir kaum kennen); unzählige Anrufe, wie es mir denn geht; und meine Frau, die das alles zuhause mit mir aushält! Ich bin auch in diesen Zeiten für so viel dankbar! – Und da spüre ich wieder: Meine Zeit steht in Gottes Händen!

 

Lothar Voges.

 

Lied: Meine Zeit steht in deinen Händen

 

Refrain:
Meine Zeit steht in deinen Händen.
Nun kann ich ruhig sein, ruhig sein in dir.
Du gibst Geborgenheit, du kannst alles wenden.
Gib mir ein festes Herz, mach es fest in dir.

 

1. Sorgen quälen und werden mir zu groß.
Mutlos frag' ich: was wird morgen sein?
Doch du liebst mich, du lässt mich nicht los.
Vater, du wirst bei mir sein.

Refrain

2. Hast und Eile, Zeitnot und Betrieb,
nehmen mich gefangen, jagen mich.
Herr, ich rufe: komm und mach mich frei.
Führe du mich Schritt für Schritt.

 Refrain

3. Es gibt Tage, die bleiben ohne Sinn.
Hilflos seh' ich, wie die Zeit verrinnt.
Stunden, Tage, Jahre gehen hin,
und ich frag', wo sie geblieben sind.

Refrain

 

(Text und Melodie: Peter Strauch)